Ivan Dimov: Happy Go Lucky

IVAN DIMOV

Happy Go Lucky

Also letztens las ich einen Artikel über das Glück. Es ist ja schon seit einigen Jahren ein wohlerforschter „Gegenstand“ der Wissenschaft, Philosophie, Psychologie etc. Obwohl, auch das habe ich gelernt, man spricht nicht eigentlich von Glück, sondern von Lebenszufriedenheit. Glück ist sicherlich kein dauerhafter Zustand. Sondern kann immer nur einen Moment lang anhalten. Dann ist man glücklich. Wäre man immer glücklich, so als Dauerzustand, würde man diesen wohl kaum noch als Glück wahrnehmen. Wie auch? Es gäbe ja keine Relation mehr.

Man lerne also: Glück gibt es nur, wenn es auch Unglück gibt.

Irgendwie finde ich das beruhigend. Mittlerweile gibt es gar nicht wenige Schulen, an denen das Unterrichtsfach „Glück“ existiert. Das hört sich erst mal äußerst charmant an und ich war sofort Feuer und Flamme, die Direktorin der Schule meines Sohnes darüber zu informieren und ihr nahezulegen selbiges auch an ihrer Schule einzuführen. Nun ist es aber so, dass man herausgefunden hat, dass die Kinder, die Glücksunterricht erhalten, unglücklicher sind als die Kinder, die nicht in den Genuss von diesem kommen. Hm…

Man erklärt dieses Ergebnis durchaus positiv – die Kinder mit Glücksunterricht seien einfach sensibilisiert für die Vorgänge um sie herum, reflektieren stärker, wissen daher also mehr um jene Dinge, die NICHT ihren Wünschen entsprechen. Soso. Das mag man bewerten, wie man will, aber de facto sind sie also weniger glücklich als die Kinder, denen nicht bewusst ist, wie unfair das Leben eigentlich ist.

Man lerne also: Je effektiver man versucht, glücklich zu sein,
um so unglücklicher wird man.

Oder wie soll ich das verstehen? Nun, erst mal weiter im Text. Es gibt natürlich wie zu jedem Themenbereich unterschiedliche Untersuchungen, die unterschiedliche Ergebnisse erzielt haben. Man kennt das. Aber in einem sind sich alle einig: Beziehungen zu anderen Menschen sind elementar wichtig für das Glück. Egal, ob Kinder, Partner, Freunde, Familie – man sollte in seinem Leben einige enge Beziehungen führen und diese auch pflegen. Schön soweit!

Des Weiteren ist es so, dass wir alle einen bestimmten Glückslevel in uns haben und egal, was passiert, (ob Lottogewinn oder Querschnittslähmung) – wir alle sind nach ein paar Wochen Ausnahmezustand wieder da, wo wir vor dem Ereignis waren. Auch das ist irgendwie in Ordnung.

Elementar wichtig ist auch, wie man seine Zeit einteilt: Man soll möglichst die meiste Zeit mit dem verbringen, was einen glücklich macht. — Tja, das sind mal erfrischend neue Erkenntnisse würde ich sagen.

Wir lernen - die Zeit ist entscheidend bei unserem Glücksempfinden.

Der Glückslevel ist übrigens bis 30 ungefähr gleich hoch, sinkt dann rapide ab und beginnt erst wieder mit Mitte /Ende 40 zu steigen, sodass man mit 65 ungefähr wieder auf dem Niveau eines 30jährigen ist. Zu erklären ist das mit der Tatsache, dass man mit 30 Fehlentscheidungen auf seinem Lebensweg zu spüren bekommt, die man dann ausbaden muss, weil man sich zu alt fühlt, um noch mal von vorne anzufangen, aber noch jung genug ist, um diese Konsequenzen lange ertragen zu müssen.  Die abnehmende Lebenszeit mit 65 und die kleinen Gebrechen, die sich dann einstellen, scheinen keinen Einfluss auf unsere Lebenszufriedenheit zu haben.

Wir lernen - die Zeit spielt keine Rolle bei unserem Glücksempfinden.

Ja, es ist verwirrend. Umso mehr, als dass irgendwie niemand davon spricht, wie zufrieden es einen machen kann, auch mal melancholisch und abgrundtief negativ zu sein.

Weltschmerzein zutiefst deutsches Empfinden. Ein Wort, das es nur im Deutschen gibt. Wo ist er geblieben und warum will ihn niemand mehr haben? Wir brauchen ihn. Die Kunst braucht ihn. Wo wären die Werke von Otto Dix, Francis Bacon, Frida Kahlo, wenn sie sich nur dem Glücklichsein gewidmet hätten? Wie arm wäre dann die Kunst, die Literatur, die Musik?

Wir lernen - Kunstwerke, die dem Unglücklichsein entspringen,
machen glücklich.

Leute, lasst euch nicht verwirren! Seid glücklich oder lasst es! Hinterfragt es, oder lasst es! Aber hört nicht auf, Kunst zu machen, egal, wie alt, wie müde, wie zeitlos oder mürrisch ihr seid. Malt, schreibt und komponiert und ihr werdet einen glücklichen Mann erleben.
Mich.

Bis bald in der Malschule — Ivan

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