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Annette von Woellwarth: Malerinnen in der Kunstgeschichte

Annette von W.: Malerinnen in der Kunstgeschichte

Über Paula Modersohn-Becker/ ein Essay

Ich sehe das Gesicht einer Frau auf einer Fotographie, einer Frau mit einem freundlichen Gesicht und einer Sanftheit und Unschuld im Blick, die fast auf allen ihren Bildern zu finden ist, auf den Gemälden, den Portraits von Frauen und Kindern und den Selbst-Portraits. Es ist das Gesicht der Paula Modersohn-Becker, die Künstlerin, die Malerin, ein Vorbild für die Künstlerin von heute, ein Vorbild für alle frei schaffenden und bildenden Künstlerinnen, die frei sein wollen in ihrer Kunst und unermüdlich vorwärts streben in ihrem Ideal, weil sie bereit sind alles dafür zu tun, und dazu gehört sehr viel Selbstdisziplin und der Glaube an die eigene Kunst, die sich eines Tages, vielleicht, wenn wir es wollen durchsetzen wird. Sie, die 1876 Geborene hat sich hinweggesetzt über das Frauenideal ihrer Zeit. Sie wollte kein Heimchen am Herd sein und keine Frau, die ihre volle Zeit aufopfernd Mann und Familie widmet.

Paula Modersohn-Becker; Selbstporträt mit Kamelienzweig, 1907
Paula Modersohn-Becker; Selbstporträt mit Kamelienzweig, 1907

Trotz ihrem starken Freiheitsdrang wünschte sie sich jedoch sehnlichst ein Kind, ein Kind, das sie wenige Zeit nach der Geburt das Leben kosten sollte. Sie starb 31 jährig an einer Embolie, als sie wieder vom Kindbett aufstehen wollte. Sie hatte jahrelang einen Ehemann, der sie unterstützt hat in ihrer Malerei, Otto Modersohn, sowie der Dichter Rainer Maria Rilke und später der Maler Heinrich Vogeler, die unter einigen anderen die Künstlerkolonie von Worpswede bildeten. Aber sie, Paula hatte einen anderen Stil als die Worpsweder Maler entwickelt; sie malte Mütter, Kinder und sich selbst eingebunden in die Natur. Sie nahm keine distanzierte und beobachtende Haltung in ihren Bildern ein, vielmehr spürt man ihre menschliche Verbundenheit und ihre Anteilnahme an den Figuren, wie das zu ihrer Zeit bei vielen männlichen Malern nicht üblich war. Zu ihren Vorbildern gehören die Maler Cézanne und Gauguin, deren Bilder sie während ihres Paris-Aufenthaltes sah. Somit gilt sie heute als frühe Expressionistin, deren Bilder sich erst nach ihrem Tod, ab 1917 durchgesetzt haben, oder zumindest ab da immer bekannter wurden durch Retrospektiven und zahlreiche Ausstellungen.

In ihrem kurzen Leben hat sie ein beachtliches Werk hinterlassen, nämlich 750 Gemälde, 1000 Zeichnungen und 13 Radierungen. Als Frau war ihr ein Studium an einer Kunstakademie verwehrt aber sie hatte die Möglichkeit Zeichen- und Malkurse im Verein der Berliner Künstlerinnen zu absolvieren. Ein Zitat, das ihren großen Lebensmut zeigt und ihre Unverdrossenheit, mit der sie das Leben meisterte soll hier als Abschluß dieses Artikel dienen, nämlich:

„… Ich weiß, ich werde nicht sehr lange leben. Aber ist das denn traurig. Ist ein Fest schöner, weil es länger ist? Und mein Leben ist ein Fest, ein kurzes, intensives Fest … Und wenn nun die Liebe mir noch blüht, vordem ich scheide, und wenn ich drei gute Bilder gemalt habe, dann will ich gern scheiden mit Blumen in den Händen und im Haar.“

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