Interview mit Christina Monschau

Interview mit Christina Monschau anlässlich ihres Debütromans „Im Buch meiner Eltern

Ivan Dimov: Liebe Christina, erst mal danke, dass du dir Zeit genommen hast für uns.

Den Lesern des Blogs der Kölner Malschule bist du ja schon bekannt durch deine Beiträge zum Thema Mappenvorbereitung, sprichDer Weg zur Kunst.

Vor ein paar Tagen ist dein Debütroman erschienen. Wie kam es, dass du dir ein autobiographisches Thema ausgesucht hast?

Christina Monschau: Erst einmal ein ganz Floskel-freies herzliches Dankeschön auch von meiner Seite.

Christina Monschau: Um das vorneweg zu sagen: Das Buch ist insofern partiell nicht (!) autobiografisch, als dass die Protagonistin, (m)eine Tochter, für das Buch nur erdacht ist.

Die Entscheidung, sie als des Lesers Begleiterin und Leiterin durch die eigentliche Autobiografie zu wählen, entstand erst, nachdem ich in meinem reellen Leben eine Abtreibung hatte durchleben müssen.

Was passiert wäre, hätte ich das Kind behalten, ist reine Imagination und spielt sich auch heute in zwanzig Jahren ab. Der Rückblick in das Leben ihrer Eltern, das ist die wahre Geschichte. Meine Geschichte. Ich behalte mir allerdings vor, nicht zu verraten wie gering der Anteil der Fiktion ist. Man muss ja auch noch ein paar Geheimnisse wahren können. 😉

Zu deiner Frage bezüglich des Grundes: Ich glaube es liegt in erster Linie daran, dass ich schon immer auf der Suche nach Ventilen für meine, mich des Öfteren übermannenden Gefühle war und noch immer bin. Die Kunst, die Musik, das Schauspiel, manchmal auch der Tanz. Aber eben auch das Schreiben.

Anfangs habe ich den Hauptaugenmerk auf die Ästhetik des Geschaffenen gelegt. Vor allem in der Poesie. Aber irgendwann, so sehr ich Gedichte auch mag, hatte ich genug von schnulzigen, bis auf die Zeile angepassten Worten.

    Und exakt in dem Moment trat ein Mensch in mein Leben, der es von Grund auf verändern und prägen würde. Mein Leben schien mir von da an intensiver, grenzenlos irrational und unregelmäßig.

Darum beschloss ich, meine außergewöhnliche Geschichte und diese noch außergewöhnlichere Liebe in die Welt hinauszuschreien – oder zu schreiben.

Ivan Dimov: Wie lange hast du daran geschrieben?

Christina Monschau: Ich fing im Frühjahr 2008 damit an. Im Herbst diesen Jahres war ich dann endlich fertig. Man bedenke aber, dass ich zwischenzeitlich ungefähr zwei bis drei Monate gar nicht geschrieben habe.

Ich hatte mir in dieser Zeit fest vorgenommen, mich dem Schreiben und allem, was mit meinem Innenleben zu tun hat, zu entsagen. Aber es dauerte nicht lange und ich schrieb weiter. Es war wie nach langem Hungern, endlich wieder essen zu können.

Ivan Dimov: Wie würdest du deine Arbeitsweise beschreiben?

Christina Monschau: Es gibt zwei Arten.

In der Regel ist mein Schreibstil, ob etwas gelingt, oder nicht, geschweige denn, ob ich es überhaupt stehen lasse, stimmungsabhängig. Ich bin grundsätzlich ein extrem emotionaler Mensch. Was ich fühle, das fühle ich tausendmal so stark wie ein „Durchschnittsmensch“ in meinem Alter.

(Manche würden das als Borderliner-Persönlichkeitsstörung bezeichnen. Davon lasse ich aber die Finger. Weil es sich krank anhört und ich sehe es heute als Segen an, dass ich ein so sensibler und empfindsamer Mensch bin. Aus allem, was ich tue, kann ich Kreativität und Energie ziehen.)

Jedenfalls schreibe ich besonders gut, wenn ich besonders stark empfinde. Die besten Stellen in meinem Roman habe ich geschrieben, als ich in einem emotionalen Abgrund lag. Weil ich in solchen Momenten an der Schriftstellerei festhalte wie an einem rettenden Seil. Bis ich so viel Kraft gesammelt habe, dass ich mich selber daran wieder herausziehen kann.

Diese Phasen halten sehr lange an und sie ziehen eine nachhaltige kreative Spur hinter sich her. Leicht ist anders, aber es ist nun mal meine Methode, in die ich sozusagen reingewachsen bin.
Die andere Arbeitsweise ist ganz pragmatisch. Ich setze mich hin und schreibe, schreibe, schreibe. Egal, über was. Hauptsache ich schreibe. Ich lasse mein Gedanken schweifen und was mir in den Sinn kommt, steht sofort auf dem Papier. Was dann passt, was mich inspiriert, das baue ich aus.

Ivan Dimov: Wer oder was hat dich inspiriert? Hast du Vorbilder, Musen?

Christina Monschau: Meine Inspiration war eigentlich die ganze Zeit der Mann von dem das Buch u.a. handelt. Er hat mich einfach so fasziniert, dass ich gar nicht aufhören konnte (!) zu schreiben. Selbst wenn ich mal gewollt haben sollte, das Buch aufzugeben, ich konnte nicht. „Zwei Seelen lebten ach in meiner Brust!“ 🙂

Und Vorbilder? Natürlich gibt es Autoren, deren Schreibstil oder Geschichten mich beeindrucken und zutiefst berühren. Mary Bauermeister mit ihrer Biografie über die Beziehung zu Stockhausen, die Ménage à trois, (lese ich aktuell) mit dem Titel „Ich hänge im Triolengitter- Mein Leben mit Karlheinz Stockhausen“. Wegen ihrer ebenso ungewöhnlichen Geschichte, die sie mit einer ähnlichen Emotionalität und Intensität beschreibt wie ich.

Und Paolo Giordanos „Die Einsamkeit der Primzahlen“ ist einfach in meinen Augen ein umwerfendes Buch, mit vielen Normabweichungen und wunderschönen „Wortwerken“ und „Wortbildern“.

Aber ich fürchte und graue mich vor der Gefahr der Abfärbung. Deswegen lese ich ganz bewusst keine Werke anderer Autoren, wenn ich in einer „Schreibphase“ stecke, aus Angst sie in irgendeiner Weise zu kopieren.

Ich möchte, dass das Buch mein Innenleben durch meine Wortmischungen ausstrahlt. Ich möchte mein Inneres nicht von fremden Sätzen beschrieben haben. Dann könnte ich ja gleich einen Autor beauftragen, für mich zu schreiben.

Und eine Muse? Gibt es männliche Musen? Wenn ja –  die erste und einzige wahre Muse in meinem Leben ist Dieter Schlautmann. Leider habe ich ihn zu Beginn meines Romans noch nicht gekannt.

Ivan Dimov: Wie hast du Schreibblockaden überwunden, oder gab es keine?

Christina Monschau: Ich hatte ständig Schreibblockaden. Im Schnitt mindestens eine im Monat. Wenn es nur an mangelnder Konzentration haperte, blieb ich einfach eisern sitzen und schrieb stur weiter, bis es wieder leichter von der Hand ging.

Wenn allerdings ein Schwarzes Loch in meinem Kopf herrschte, ich schlichtweg überlastet war oder mir andere Gedanken das Hirn zukleisterten, dann machte ich bewusst eine Pause und wagte mich nach einiger Zeit vorsichtig an kleine Texte, bis es wieder „floss“.

Ivan Dimov: Wie haben deine Verwandten und Freunde auf das Projekt Roman reagiert?

Christina Monschau: Meine Mutter beispielsweise ist „fasziniert, begeistert und voller Stolz“. So auch ehemalige Lehrer, Freunde und Bekannte. Meine Schwester und mein Vater haben das Projekt oft runter geredet und nicht wirklich an die Sache geglaubt.

Doch wie es so im Leben ist, gewöhnt man sich an alles. Auch an die ewig gleichen negativen Einstellungen vereinzelter Menschen. Aber zum Glück habe ich die Eigenschaft, dass mich Gegendruck nur stärker macht. Ich werde trotzig und setze meinen Willen und mein Zielnoch eifriger in die Tat um.

Ivan Dimov: Wie verlief deine Suche nach dem richtigen Verlag?

Christina Monschau: Ganz simpel. Da ich von meinen bevorzugten Verlagen die Benachrichtigung bekam, meine Geschichte passe nicht in das aktuelle Programm, suchte ich anderweitig weiter.

Ich wollte mitbestimmen, die Illustration und das Layout selbst gestalten, das Buch für jeden zugänglich machen UND ja nicht übers Ohr gehauen werden. Das war meine Kriterien-Liste.

Ivan Dimov: Wie sind die ersten Leserreaktionen?

Christina Monschau: Mir wurden gemischte Rückmeldungen gegeben. Eine bedeutet mir besonders viel: „Ich habe Dein Buch in nur einer Nacht durchgelesen. Ich habe es gefressen!“

Manche sagen, der Roman ziehe einen komplett in seinen Bann und gehe unter die Haut, er ergreife das Herz und zerfresse die Norm. Das Ende gefällt, nachdem ich es kurz vor Veröffentlichung noch mal grundlegend verändert habe, den meisten am besten. Was ich selber etwas anders sehe. Aber man ist ja bekanntlich selber immer sein härtester Kritiker.

Für jene, die die Realität im Buch sofort erkannt haben und die mir nahe stehen, waren einige Stellen emotional dermaßen aufwühlend, dass es unweigerlich Kommentare, wie folgenden hervorrief: „Du willst aber doch nicht zugeben, dass du selber eine der Protagonistinnen darstellst?“

Ivan Dimov: Woran schreibst du momentan? Oder willst du, dass etwas Zeit ins Land geht, bevor du dein nächstes Projekt angehst?

Christina Monschau: Ich träume bislang nur von einem weiteren Roman. Meine Gedanken wandeln umher in der Nachkriegszeit, umspielen ein Leben eines Kunsthistorikers und eines kleinen rothaarigen Mädchens.

Es sind Bilder, die mir vorschweben. Die Geschichte hat sich noch nicht gebildet. Es muss ein Durchbruch kommen, eine Verknüpfung aller meiner Bilder, Klänge und Sätze. Dann kann das neue Projekt starten.

Wann das geschieht, das weiß keiner, nicht mal mir ist der Zeitpunkt gewiss. Aber „Im Buch meiner Eltern“ wird sicherlich nicht mein letztes Buch gewesen sein. Wie soll ich denn wachsen, wenn ich nicht weitermache?

Ivan Dimov: Ich wollte die Gelegenheit nutzen und dich zu einer Vorlesung in der Kölner Malschule einladen. Wärst du dabei?

Christina Monschau: Gerne!

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