Ivan Dimov & Sarah Esser: Was geschah mit „DÜRER“? – I

 

Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500
Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500

Treatment, Ivan Dimov & Sarah Esser

D Ü R E R

Teil I

Jetzt, MÜNSTER – 1520

„Sage mir, wer zum Teufel du bist, Frau?!“ brüllt ALBRECHT DÜRER (49) von Fieber und Alpträumen geplagt, die Magd SUSANNA (21) an, die ihm auf die Beine zu helfen versucht.

Albrecht ist inzwischen einer der bekanntesten Maler Europas. Gerade jetzt ist er unterwegs nach Münster, wo Karl V. zum deutschen König gekrönt wird.  Der zukünftige König hat ihn persönlich eingeladen.

Doch Albrechts Stimmung ist alles andere als feierlich. Die Malarieerkrankung hat  ihn fest im Griff. Heftige Fieberanfälle, Gelenkschmerzen und Depressionen wechseln sich gegenseitig ab und geben ihm so kaum die Möglichkeit, seinen Ruhm zu genießen, geschweige denn, wieder zu arbeiten. Er hat so viele Ideen, so viele Pläne, doch sein Körper lässt ihn im Stich. Und nun muss er einem machtbesessenen Monarchen hinterher laufen, statt zu malen, damit er ihm das Geld, das er ihm seit geraumer Zeit schuldet, endlich bezahlt. Welche Verschwendung! ruft Albrecht und schmeißt mit Gegenständen um sich. Er will Susanna aus dem Zimmer werfen, doch seine Kräfte verlassen ihn und er bricht zusammen.

Susanna erklärt Albrecht, dass sie von seiner Frau, AGNES (40) angestellt wurde, auf Grund eines Empfehlungsschreibens von JACOPO DE´ BARBARI. Albrechts Gesicht hellt sich auf und er lässt zu, dass die junge Frau ihm auf die Beine und zurück ins Bett hilft. Wir erfahren, dass Jacopo ein guter Freund ist, den er vor gut 25 Jahren in Venedig kennengelernt hat. Susanna ist eine gute Zuhörerin. Zu ihrem großen Erstaunen stellt sie fest, dass das Genie Albrecht Dürer an Einsamkeit leidet.

Das ist der Anfang einer Freundschaft zwischen der Magd und dem Genie.

Während Agnes, Albrechts Frau, als seine tüchtige Managerin ständig unterwegs ist, um die Geldangelegenheiten des Malers zu regeln, das Getrickse der Auftraggeber im Voraus zu berechnen, potenzielle Käufer davon zu überzeugen, dass es Dürer, anders als die Gerüchte es besagen, gut gehe und er bald wieder viele neue Werke zum Verkauf anbieten wird. Während sie also neue Märkte zu erschließen versucht, bleibt der körperlich angeschlagene Dürer meist in den Gasthäusern. Der einzige Mensch in seiner Nähe ist Susanna. Er fasst zunehmend Vertrauen zu der jungen Frau und so erfährt sie sein dramatisches und bewegendes Leben aus seinen packenden Erzählungen. Doch warum schweigt sich der Maler über seine Zeit in Venedig aus? Vor allem vor Agnes spricht er nie davon.

Und warum nimmt Susanna, sobald Agnes aus dem Haus und Dürer eingeschlafen ist, das persönliche Inventar der Malers unter die Lupe? Sie notiert sich aus den Geschäftsbüchern Infos über den Verkauf von Bildern und Graphiken, durchsucht die persönliche Sachen Dürers etc. Da sie nichts entwendet oder zerstört, wirkt ihr Verhalten seltsam mysteriös. Was will sie mit all den Informationen?

Welche Ziele verfolgt diese scheinbar so einfühlsame Magd wirklich? Das Geheimnis liegt in der Vergangenheit, aber mehr dazu nächste Woche.

Die Autoren erzählen…

© Sarah Esser & Ivan Dimov

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*