Ivan Dimov & Sarah Esser: Was geschah mit „DÜRER“? III

Treatment, Ivan Dimov & Sarah Esser

Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500
Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Pelzrock, 1500

D Ü R E R

Teil III

VENEDIG

Während der strapaziösen und gefährlichen Reise, denn 1495 sind lange Reisen grund-sätzlich ein ziemliches Abenteuer, nehmen die Spannungen zwischen Albrecht und Agnes zu.

Sie kann nichts damit anfangen, dass Albrecht sich zurück zieht, um die Natur zu studieren und zu zeichnen, sich keine Gedanken über die gemeinsame Zukunft in Nürnberg, sondern lieber über die Zukunft der Malerei und Grafik zu machen. Für die bodenständige Agnes steht fest, dass diese Familie am Hungertuch nagen wird. Doch dann ….

…kommen sie endlich in der Lagunenstadt an und die beiden Nürnberger erleben schlicht und einfach einen kulturellen Schock. Die Stadt ist zehnmal größer und millionenfach lebendiger als Nürnberg. Albrecht fühlt sich im siebten Himmel und Agnes muss mit Staunen erkennen – als Maler kann man reich werden, sehr reich sogar. Die Venedigreise ist der Wendepunkt für das Paar. Zum ersten Mal begreift Agnes, welches Potenzial in Albrecht steckt, wie begabt er ist. Sie beginnt ihn mit ganz neuen Augen zu sehen. „Wir mussten wohl nach Venedig kommen, damit ich dich wahrlich begreife!“ Albrecht ist glücklich, endlich Annerkennung und Unterstützung von seiner Angetrauten zu bekommen.

Doch bald lässt die anfängliche Euphorie und Harmonie nach. Albrecht muss feststellen, dass er immer noch keinen Zugang zu den Werkstätten der Künstler hat, wegen derer er die ganze Reise auf sich genommen hat – Bellini, Andrea Mantegna etc. Denn dafür braucht man die richtigen Beziehungen. Und die hat das Ehepaar Dürer nicht.

Albrecht versucht durch seine Arbeit die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, doch das zieht hauptsächlich Probleme nach sich, denn er wird nicht nur vor die Signoria von der Zunft der Maler zitiert und zu hohen Geldstrafen verdonnert, er wird zudem davor gewarnt, sich vor Giftanschlägen seitens der Konkurrenz in Acht zu nehmen.  Jetzt muss er auch noch um sein und das Leben von Agnes bangen.

(JETZT)
KÖLN – 1520


Zurück in der Gegenwart. Schon wieder hat Karl V. Albrecht eine Audienz verweigert und ihn gleichzeitig aufgefordert, dem Hof nach JULICH zu folgen. Albrecht ist außer sich. Er hat die Schikanen satt und will nun zurück nach Nürnberg. Doch die geschäftstüchtige Agnes besteht darauf, dass sie weiter reisen, denn es geht um viel Geld und der König wartet nur auf eine Gelegenheit, Albrecht die Auszahlung zu verweigern. Die will Agnes ihm keinesfalls bieten.

Besonders bei seinen Versuchen, zu zeichnen, merkt Albrecht, wie sehr ihm die Malaria die Kräfte raubt. Er kann nicht arbeiten. Agnes will einen guten Arzt für ihn auftreiben und lässt Albrecht mit Susanna allein. Sie nutzt die Gelegenheit, um den Maler über Venedig auszufragen.

Albrecht, sich seiner Bedeutung als Genie der Renaissance völlig bewusst, erzählt ihr folgendes: „Eines Tages werden die Leute meine Werke und meine Traktate betrachten, über mein Können staunen und meinen Namen hoch tragen. All das hätte ich ohne Agnes nie erreicht. Sie hat mir zwar keine Kinder geschenkt, aber dafür gesorgt, dass ich einer der reichsten Männer Nürnbergs geworden bin. Ich bin ihr sehr dankbar für alles, was sie für mich tut.“ „Aber…?“ hakt Susanna neugierig nach. „Es gab jemanden in Venedig, der mir mehr als jeder und alles andere geholfen hat, herauszufinden, zu was ich fähig bin. Agnes würde das nicht verstehen.“ „Jacopo?“ versucht Susanna den Namen der unbekannten Inspiration Albrechts zu erraten. „Nein.“

(RÜCKBLENDE)
VENEDIG – 1495

Albrecht denkt sogar an Abreise, doch dann lernt er den Künstler Jacopo de´ Barbari kennen. Die beiden freunden sich an und Jacopo nimmt die Dürers zu einem Fest von CATERINA CORNARO mit.

Caterina ist die Fürstin eines kleinen Reichs namens Asolo, ein Katzensprung von Venedig entfernt. Es gibt nicht viele Frauen, die mit Anfang vierzig eine solch bewegende Geschichte hinter sich haben. Geboren in Venedig, gab ihr ehrgeiziger Vater sie im Alter von vierzehn Jahren dem Herrscher von Zypern als Ehefrau. Mit achtzehn kam es zur Hochzeit und sie wurde Königin von Zypern. Aber schon bald erkannte sie, in welch niederträchtiger politischer Intrige sie die Schlüsselrolle gespielt hat, denn die machthungrige Republik Venedig ist äußerst an Zypern interessiert.

Auftragsmörder vergifteten Caterinas Mann und Sohn und der Doge von Venedig macht ihr klar, dass sie sich schleunigst nach Venedig zu begeben hat, angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit. Als die mutige Frau sich weigerte, tauchte bald darauf eine bedrohlich große venezianische Flotte auf, um Caterina „freundschaftlich“ vor der »türkischen Gefahr« zu »warnen« und ihr nahe zu legen, sich umgehend unter den »Schutz« ihrer Heimatstadt zu begeben. Um einen Angriff auf ihre geliebten Landsleute zu verhindern, gibt sie nach. Am 26. Februar 1489 legte sie ihre Krone in die Hände des Oberbefehlshabers der venezianischen Flotte, Admiral Francesco Priuli.

Als Andenken nimmt Caterina ein Stück rote Seide mit, vom Banner der Lusignan, das 300 Jahre lang über Zypern geweht hatte.

(Auf Dürers Portrait „der Venezianerin“ ist so ein Stück rote Seide, als Schleife, zu sehen.)

Albrecht Dürer, Junge Venezianerin, 1505
Albrecht Dürer, Junge Venezianerin, 1505

Als Caterina zurück kehrt, stellt man ihr gnädigerweise das kleine Reich Asolo zur Verfügung. Der letzte Herrscher Asolos, Ezzelino da Romanos, wurde von zeitgenössischen Historikern einhellig als „Verbrecher und Bestie“ bezeichnet, der nichts als Zerstörung hinterlassen hat.

In kürzester Zeit verwandelt Caterina ihren neuen Besitz in einen Garten Eden. Bewässerungskanäle werden für die Weinberge angelegt, brüchige Gebäude erneuert, Kirchen restauriert. Sie richtete eine bankähnliche Leihanstalt ein, und als eine Hungersnot droht, verteilt Caterina kostenlos Nahrung an ihre Untertanen. Vor allem aber sollte Asolo ein Ort der Musen sein, eine Kulturhauptstadt. Caterina lud Dichter, Maler, Architekten, Musiker und Philosophen aus dem ganzen Veneto auf ihr Schloss ein.

Die zwanzig Jahre ältere Fürstin mag Albrecht auf Anhieb. Dürer ist ein sehr direkter und offener Mensch, und als Caterina ihm ihr Portrait, von Gentile Bellini gemalt, zeigt, bemerkt Dürer, dass er, nichts gegen Bellini, es besser hinbekommen hätte. Er malt daraufhin das Bildnis „Die Venezianerin“. Caterina ist auf dem Bild zwar wesentlich jünger, aber auch unvergleichlich lebendiger als auf dem Gemälde Bellinis.

Die Zuneigung der charismatischen Fürstin erfüllt Agnes mit Sorge. Aber auch Pirckheimer ist nicht besonders glücklich darüber. Niemand außer ihm selbst sollte Einfluss auf Albrecht haben. Pirckheimer stachelt Agnes nun an, sie solle Albrecht zur Abreise bewegen. Doch Agnes beschließt, nichts dergleichen zu tun. Sie will Albrecht den Raum lassen, den er braucht, um glücklich zu sein. Denn inzwischen hat sie wahre Zuneigung zu Albrecht entwickelt. Allerdings fühlt sie sich selbst ziemlich verloren und ausgeschlossen. Um sich von schlechten Gedanken abzulenken, beginnt sie damit, die Gespräche von reisenden Händlern zu belauschen. Stück für Stück bekommt sie eine Vorstellung davon, was man wo in Europa absetzen kann.

Dank der Fürstin bekommt Albrecht nun Zugang zu all den Künstlern und deren Werkstätten, weswegen er eigentlich nach Venedig gekommen war. Er ist von Genies umgeben, die ihm Bewunderung für seine Fähigkeiten entgegen bringen. Caterina selbst wird zu seiner Muse, denn sie verkörpert all das, was er sich wünscht. Sie ist eine noch größere Humanistin als Pirckheimer, mutiger als sein Vater, inspirierender als Agnes. Andererseits kann Caterina auch nicht genug von Albrecht kriegen. Seine messerscharfe Intelligenz, seine Offenheit und nicht zuletzt seine umwerfende Erscheinung.

Caterina und Albrecht schweben auf Wolke 7.

Die Fürstin und der geniale Maler. Doch hat diese Beziehung eine Zukunft? Wofür wird sich Albrecht Dürer entscheiden? Seine Leben in Nürnberg und seine Kunst oder Venedig und die Liebe Caterinas.

Was geschah in Teil I ?

Was geschah in Teil II ?

Die Autoren erzählen…

© Sarah Esser & Ivan Dimov

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