Abstrakte Malerei

Abstrakte Malerei

Loslösung ist die größte Kunst

Über die Abstrakte Malerei gibt es zu viel zu schreiben. Nicht weil ich denke, dass sie den größten Raum in der Kunstgeschichte einnähme, sondern weil sie für mich persönlich ein riesiges Thema darstellt.

Die Abstrakte Malerei und mich verbindet eine Hassliebe. Sie hält mich gefangen, beeindruckt mich, aber ich bin nicht in der Lage, mich auf sie einzulassen.

Lat. abstrahere heißt so viel wie „trennen“. Man trennt sich von Unwichtigkeiten und konzentriert sich nur auf Wesentliches.

Die Auseinandersetzung mit der Abstraktion ist mir seit des Philosophieunterrichts schon Rätsel und Mühe. Dort lernte ich die Abstraktion als etwas kennen, das es uns ermöglicht, durch Weglassen von Individuellem und Hervorheben von Wesentlichem, zum Allgemeinen zu gelangen.

Wenn wir eine Tanne abstrahieren wollen, machen wir daraus ein Nadelgehölz, wenn wir Nadelgehölz abstrahieren, wird daraus ein Baum, dann eine Pflanze und wir enden vielleicht bei „Lebewesen“ – wobei ich unsicher bin, ob die Abstraktion jemals enden kann.

Wenn man sich beim Malen in die unbekannten Gewässer der Abstraktion begibt, muss man bestimmte Vorkehrungen treffen, um nicht unterzugehen – nämlich herausfinden, was denn nun wesentlich und was unwesentlich ist. Also frage ich mich dann z.B. was für mich das „Baumsein“ ausmacht? Grün, braun, lebhaft, oder starr? Die Nadeln? Worauf will ich meinen Fokus legen?

In dem Moment, in dem man entschieden hat, was man hervorheben will, bedarf es noch eines weiteren Schrittes – man muss Unwichtigkeiten auch loslassen können.

Perfektionisten und Realisten haben da schlechte Karten. Ich bin mehr als das, ich bin eine  mangelhafte Künstlerin, die sich einbildet, perfektionistisch zu sein und eine Träumerin, die sich vom Realismus nie ganz loslösen kann.

Mein Problem bei der Sache ist weniger, mich vom Perfektionismus oder Realismus zu verabschieden, ich fürchte mich mehr vor dem „Loslassen“. Bedeutet dies nicht Kontrollverlust?

Was passiert, wenn ich die Kontrolle über mich selber abgebe? Was hält dann noch die Emotionen zurück? Kommen sie hoch gesprudelt wie ein Lava aus einem gigantischen Vulkan, dessen Krater unmittelbar in meine Seele ragen?

Man muss etwas riskieren, wenn man sich der Abstrakten Malerei hingibt. Man muss mit allem rechnen und alles zulassen, sonst ist es nichts Halbes und nichts Ganzes. Und wahrscheinlich macht genau das die Abstrakte Malerei aus.

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