Der Normkäfig

Der Normkäfig

In meinen ersten Einträgen habe ich mehrmals den „Normkäfig“ erwähnt. Heute möchte ich genauer darauf eingehen, da er schließlich ungewollt eine starke Präsenz in meinem Leben eingenommen hat.

Man könnte sagen, er hat sich von Jahr zu Jahr um mich herum aufgebaut, ohne dass ich es merkte. Meine Freiheit und Autonomie waren nichts als Illusion, die durch unsichtbare Gitterstäbe meines Normkäfigs begrenzt wurden.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Was das mit der Malerei zu tun hat? – Kreativität ist einer der Grundbausteine für unvergessliche, ausdrucksstarke Kunst. Aber ohne Freiheit, keine Kreativität, womit ich keine physische Freiheit meine. Ich meine freie Gedanken, freie Wahl,  freie Meinungsäußerung, freischaffende Kunst etc. Doch solange meine Gedanken von Normen und Regeln eingeschränkt werden, sind sie nicht frei und meine Kunst wird sich immer auf die Norm beschränken. Aber, wie das Motto der Malschule schon besagt: Normal ist langweilig!

Es wäre sicher einfacher, mich aus dem Käfig zu befreien, jetzt, da ich mir dessen bewusst bin. Wenn da nicht die Angst vor dem wäre, was außerhalb der Gitterstäbe liegt. Es gibt vermutlich zig Menschen, die in diesem Normkäfig sitzen, zitternd vor dem, was da draußen lauert.

Christina Monschau Mappenvorbereitung

Für mich persönlich ist die größte Gefahr da draußen die Unfähigkeit, etwas Ausdruckstarkes, Ästhetisches oder Phantastisches, mir noch Fremdes erschaffen zu können. Und dieser Leistungsdruck hält von außen gegen die Gitterstäbe an, hält sie zusammen.

Das, wovon ich mich zu befreien versuche, ist zugleich das, was mich vom Befreien abhält. Ein Teufelskreis.

Aber so sehr ich mich auch vor der Welt hinter dem Gefängnis fürchte, fasziniert sie mich derart, dass ich ab und zu verstohlen einen Finger oder gar eine ganze Hand in die Freiheit tauche. Die heimliche Versuchung. Etwas Verbotenes.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Wenn plötzlich das Unmögliche möglich würde und ich mir nicht mehr verböte verrückt, wild und gegenstandslos zu malen, verlöre dann die abstrakte Malerei ihren Reiz für mich?

Will ich vielleicht mein mir selbst auferlegtes Verbot behalten, um den Reiz an der Abstraktion weiterhin zu spüren? Oder einfach, um Enttäuschungen zu verhindern? Wie ein Kind an Weihnachten, das weiß, wo die Eltern die Geschenke versteckt haben, aber nicht nachschaut, aus Angst, dass der Zauber der Weihnacht dann verloren ginge? Damit weiterhin ein Hauch von Glauben, von Traum und Zauberei erhalten bleibt? Was geschieht, wenn ich hinter diese verbotene Türe schaue?

Es hat – so schön dieser Gedanke auch ist und so gerne ich ihn für mich behalten möchte – keinen Sinn, mir weiter die Tür zu verschließen. Ich möchte schließlich lernen und wachsen. Und wenn ich stehen bleibe, bleibt alles, wie es ist. Was soll schon großartig passieren, wenn ich mich einer Sache hingebe, die mich so sehr fasziniert? Vielleicht kommt es auch ganz anders und es geht überhaupt kein Zauber verloren, weil jedes Bild und jede Auseinandersetzung mit der Kunst seinen eigenen, neuen Reiz hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*