Sturm und Drang

Sturm und Drang

Manchmal frage ich mich, ob ich damit gestraft bin, dass sich meine Interessen über das gesamte Gebiet der Kultur erstrecken. Ich bin relativ geschult im Malen, Schreiben und Musizieren. Aber nichts davon kann ich wirklich gut. Ich liebe alle diese Künste und ich kann keine vollkommen loslassen, obgleich ich mich danach sehne, wenigstens eine von ihnen wirklich gut zu beherrschen!

Aber in seltenen Fällen, wird mir bewusst, wie hilfreich diese großzügige „Interessenverteilung“ ist.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung
Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Gestern war bei mir (Schul-)Bücher ausmisten angesagt und dabei habe ich „Die Leiden des jungen Werther gefunden“. Ich muss zugeben, dass ich in Deutsch immer zwischen  zwei und vier schwankte. Irgendwann stand jedoch unter der Klausur zum Thema „Werther“ dick und fett „1+“.

Ich habe damals nicht gewusst, warum und es interessierte mich nicht sonderlich.

Jetzt aber, da ich im Studienvorbereitungskurs an der Malschule (trotz entmutigender Äußerungen von Bekannten und Verwandten) so eine überraschend starke Energie in die Durchsetzung meines Ziels stecke, sehe ich eine mögliche Antwort auf meine damalige Frage.

Was mein Innerstes ergreift, was mich begeistert, was mich berührt und reizt, das lerne ich mit Ehrgeiz, da steigere ich mich hinein!

Die „Leiden des jungen Werther“, um auf das Beispiel zurückzukommen, stach aus anderen Werken hervor, denn ich erkannte mich im Wesen Werthers wieder. Und plötzlich verschlang ich mit Leidenschaft eine Deutschlektüre.

Vielleicht ist es zu gewagt, Literatur und Malerei zu vermischen, aber nach der Auseinandersetzung mit der Epoche, die den „Werther“ umschließt, habe ich einiges für mich feststellen können:

Ich bin ein empfindsamer Mensch, ein „Stürmer“ und „Dränger“! In der Malerei brauche ich das Gefühl als Gegenstand meiner Betrachtung. Ich möchte mich und meine Gefühle durch die Malerei ausdrücken.

Christina Monschau, Mappenvorbereitung
Christina Monschau, Mappenvorbereitung

Im „Sturm und Drang“ gingen trockene, alle Gattungen und Schreibstile beherrschenden, Dichter, die alten moralischen Gesetzmäßigkeiten huldigten, unter.

Endlich wurde den wahren, freien Schöpfern Aufmerksamkeit geschenkt! Denen, die sich ihre Gesetze selber erdachten und mit Geist und Körper dazu standen. Sie schrieben nach ihren Regeln, was ihnen auf der Seele brannte.

Diese wenigen, aber starken Verfechter des „Sturm und Drang“ sind für mich und die Malerei ein wichtiges Leitbild. Ständig werden uns Regeln, Pläne, Gesetze aufgezwungen, nach denen die Meisten auch noch handeln! Aus Angst, Faulheit, Zwang, oder Gleichgültigkeit.

Für mich sind Künstler die unbeugsamen „Sturm und Drang – Helden“, die sich gegen Normalität und Bevormundung auflehnen.

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