Gara Rasul

Wechselwirkung zwischen Kunst und Kunsttheorien – ein Aterlierbesuch beim Gara.

Ehrlich. Es gibt so viel über Gara zu sagen. Garas Biografie, immer von Kunst durchtränkt, dehnt sich weltweit aus; geografisch wie mental. Mal überall,  mal irgendwo setzt  sie sich in seinen Werken nieder,  all das  im Zuge einer schöpferischen Selbstverständlichkeit, einer Art Drang, der nur den Menschen zu eigen ist, denen sehr früh klar wird, wofür sie geboren worden sind.

Überall auf den Leinwänden, Platten und Brettern, grafischen Blättern, längeren oder kurzen Notizen, werden kleine Erfahrungswelten visualisiert. Dieses Ereignisses willen  treffen Erinnerung,  Intuition und  die Dynamik der gestalterischen Kräfte des Künstlers in einem perfekten Augenblick zusammen, um schliesslich der Um- und Nachwelt anvertraut und hinterlassen  zu werden.

Gara  ist Maler  und Graphiker,  Kunsthistoriker und ausgebildeter Kunstdidakt. In der Malschule hat er sich einen Namen gemacht als der Dozent für moderne Malerei und wird insbesondere, wegen seines hohen Einfühlunsvermögens  geschätzt. Nebenbei ist  er ausgebildeter Geologe, und wer glaubt, diese Phase seines Lebens hätte auf seine Malerei keinerlei Einfluss genommen, der sei insb. auf die Bilderserien der Landschaften hingewiesen.

Sein aktueller Schwerpunkt in der Malerei: die Visuelle Umsetztung von Schriftsätzen- „Das Spiel der Schriften im Dienste der Malerei“.

Sein aktuelles  wissenschaftliches Forschungsthema “Die Visualität und Bildlichkeit in der islamischen Kultur.“

Sein pädagogischer Ansatz   „Mensch und Mensch gegen Hierarchien“.

Im März 2011 unternahm ich einen Atelierbesuch und dort, zwischen gestappelten Leinwänden und in der Luft  schwebenden Ideen, sprach ich den Künstler und Kunsthistoriker Gara,  auf sein breitgefächertes Lebenswerk an.

„Alle Aspekte meines Wesens inspirieren sich gegenseitig, gehören zusammen und das in einer Art ständiger Wechselwirkung. Sie ergeben immer neue Impulse, die beständig nach Ausdruck suchen. Die Ausdrucksformen bleiben so vielfältig und doch klar strukturiert wie ihre Inspirationsquellen selbst. Und doch scheinen sie,  in dem Augenblick in dem  sie sich `materiaisieren`, ihre Grenzen einzuhalten.“                     „Mich interessiert die Theorie der modernen Malerei nicht weniger als die Malerei selbst, dennoch, wenn ich male dann male ich, dann gedenke  ich nicht bewußt der Theorien, die ich studiert und entwickelt habe, und wenn ich theoretisch arbeite, dann begegne ich dem als einer  wissenschaftlichen Disziplin“.

Er studierte an der Düsseldorfer Akademie Grafik, und in den 90ger Jahren in seiner Freiburger Zeit  hat er vom Peter Dreher Malerei  gelernt, dem Prof.  vom Aselm Kiefer. Das Interesse an theoretischen Inhalten hat Gara mit der Lektüre der Theoretikers: Herbert Ried  und Arnold Hausner in Iran entdeckt.

Im Jahre 2004 erschien, wie der Künstler mir verraten hat, sein  Buch „Über Moderne Kunst von Goya zu Giacometti“ (erschienen in kurdischer Sprache in Kurdistan, Nordirak). Darin analysiert er die Entwicklungslinien der modernen Kunst von der Moderne bis zur Postmoderne.

Der Maler Gara   baut sich seine Leinwände selbt zusammen, ähnlich wie sein anderes Arbeitsmaterial: „das Leben selbst“ sei es , das er recycelt um eine seiner Malerei eine angemessene, materielle Grundlage zu ermöglichen. „Industriell hergestellte Leinwände sagen mir nicht viel.“ Auch seine Farben versteht er selber herzustellen.

 

Atelier

 

Eine Staffelei benötigt  der Künstler nicht. Die Klein – und Großformate werden in vollster Hingabe mal stehend mal eng am Boden liegend, im wechselden Gestus gefüllt. An der Aufstellung der, zu meiner Freude manchmal beidseitig bemalten Leinwände fällt  ein gewisser Rhytmus auf. Diesen Gedanken an dieser Stelle erratend, verrät der Künstler einen wichtigen Ansatz seines Werkes,-  die Serie.

„Serien zu einem Motiv zu erschaffen, bedeutet für mich die Möglichkeit, mit dem Geheimnis der Variation zu spielen.“

Mehrfach  wird dabei ein Motiv auf einer Leinwand  durchgespielt, ein Motiv, das der Verpflichtung des Identischseins  mit seinen sog.  `Vorgängern`, seine eigene bildnerische Identität entgegen hält. Dabei können es kleine Details oder ganze athmosphärische Verschiebungen sein, die den Anspruch aufrecht erhalten. „Variationen sind keine Wiederholungen.“, betont Der Künstler, „Ich kann einen und den gleichen Kopf 50 mal malen und der Eine gleicht nicht dem Anderen“.

Irgendwo in einer Zwischenwelt aus Erinnerung  und Vorstellungsvermögen sind ganze Leinwänedreihen zu ihrer Existent insipiriert worden. Irgendwo messerscharf und dicht an den Grenzen der Gegenständlichkeit fließen ganze Farblandshaften ins Abstrakte und, entdecken sich wie apriorische Urbilder in der Erinnerung ihrer Betrachter wieder -,  oder werden entdeckt.

Bilder haben die Möglichkeit mit ihren Betrachtern dieses Etwas zu tun. Ein  Format, das aus jeder Leinwandpore mit einer so purer Energie hinausstrahlt, die sonst nur Urelemente in sich bergen,   wirkt  total und unmittelbar, doch nachhaltend an, in  einer Art Kommunikation, als ob sich automatisch in seiner unmittelbaren Nähe eine Art Suche aktivieren würde, nach einem Resonanzkörper indem er sich  spiegeln und ausdehnen kann.  Der Körper des Betrachters  also nur ein spannender, ausgedehnter Übergang.

Gelbe Ockertöne, die den Betrachter in ein Gefühl geraten lassen, längst  eingeschlafen sein zu müssen, und nur das Gelbe des neugierigen Sonnenscheins versucht sich sanft durch seine Augenlieder zu ihm hindurchzuleuchten- sind nicht bloß Farbe. Sie scheinen in jenem malerischen Universum zu existieren, das die Kraft hat, uns Menschen in unserem Ursprung (an)zu treffen. 

„Ich werfe Farbe erst  auf Leinwand, und in dieser finde ich die Form, so wie ein Bildhauer in einem Stein die Formen findet. Anschließend strukturiere ich .“


 

 

 

 

Die nächste Reihe ist Rot. Nuance- und kontrastreich. Mal Karminrot, mal Bordo und dann wieder viel roter und rotierender. Die Töne  verlieren es sich ins Dunkle, erheben sich ins dichte neblige Flächen, die sich zumal gar auflösen. Die  Bilder pulsierend, mitreißend alle so unglaublich intensiv, so ungeheuer einfühlsam. Stark.  Sie wecken  Erstaunen, wie sie immer wieder in den wiegenden Armen der Komposition besänftigt werden.

Gara hat keine Angst vor den Farben, er kennt ihre Energie und weiß um jede Subtälität der Nuancierung. Er ist zu ehrlich um zu warten, sich zu verstecken, oder sich zu scheuen, zu verpflichtet an die Liebe zu der Malerei, die wie er erklärt: „sein Leben sei“.

Großflächig, mal gestisch mal um minimale Details kämpfend schleudert die Farbe impulsiv, doch in feinsten Kontrasten dem Betrachter in die Augen, für den es kompliziert wird, sich zu entziehen. Eben irgendwo ins Nirgendwo der abstrakten Auflösung verlieren sich letze Konturen, die in Wirklichkeit des Pinselstrichs auch nur von den Farbenflächen getragen werden.

„Ich gehe  mit Licht spielerisch um. Sehr viel“. Licht als ein Teil des Geheimnisses , das den  Farbflächen ihre Dreidemensionalität verleiht, sie vom Abstraktum in die Form erhebt- oder umgekehrt? Möglicherweise, ist es gerade diese subtile, oszillierende Beziehung, die die Farben mit dem Licht  eingehen, die uns so stark  berührt und mitreißt.

Ein Stappel grafischer Blätter birgt  eine Reihe mittelformatiger Menschenbilder, die er in dem Flüchtlingslager in Iran erschaffen hat.  Starke Darstellungen, wesentlich konturiert, verzichten auf gängige Konventionen der Ästhetik  und ihrer Schönheitsideale. Sie überraschen mit ihrem visualisierten psychlogischen Charakter. „Es sind Menschenbilder, die mich faszinieren.“

Der Mesch Gara  kam in Irak zur Welt  und die irakische Landschaft seines Heimatdorfes hat in der Frühe seiner Jugend, seine ersten Pinselstriche geprägt. Seit 86 lebt und arbeitet der Künstler in Deutschland.

„Die Malerei , ist.“ sagt er und hält kurz inne, „Die Malerei ist meine Heimat“. „Es entsteht ein Dialog zwischen dem Bild und dem Ich. Vom Anfang seiner Entstehung bis zur seiner Fertigstellung. Es ist immer die Wechselwirkung zwischen dem Bild und dem Ich, um die es geht.  “ „Es ist meine Welt, mein Gebiet…“

Neben  der Beschäftligung mit der Malerei  und der  Kunstgeschichte kommt seine Ausbildung in Bereich der Kunstdidaktik ins Gespräch. Wie sehr findet sich seine Hingebung in seiner didaktischen Seite wieder? Seine Arbeit als Dozent empfand der Künstler von Anfang an als  „pure Kommunikation.  Nicht mehr, nicht weniger.“

„Die Zusammenarbeit ist und bleibt ein ständiger Austausch zwischen gleichberechtigten Kommunikationspartnern. Ich lerne von meinen Schülern, sie lernen von mir. Zusammen suchen wir. Wir suchen nach den passenden Farben, nach passenden Konturen, nach passenden Ansätzen.

„Ich habe einmal mit einer Schülerin tagelang nach einem passenden Himmel gesucht, der Himmel bildete dabei eigentlich  nicht das Hauptmotiv in der Komposition. Wir haben den Himmel mehrmal gewechselt, bis wir zusammen für die Lanschaft den richtigen Himmel gefunden haben. Noch ist es der beste und wichtigste Himmel geworden, den sie bis dato, jemals gemalt hat. Es hat uns total berührt. Das es gerade ein Himmel sein wird, der den  Durchbruch auslöst, kam  ganz unerwartet. Und-  das spricht in meinen Augen immer wieder dafür, dass man Lernprozesse  beidseitig sehr flexibel behandeln muss.“

„Wenn ich Malerei unterrichte, dann teile ich mit, was ich in meiner Auseinandersetzung mi dem Materialien und ihren Möglichkeiten bereits herausgefunden habe, doch das kann nur dann ankommen, wenn sich mein Kommunikationspartner öffnet, und mir seine Sehweise auf irgendeine Art und Weise offenbart. Ohne eine ehrliche Kommunikation und ehrlichchen Drang nach der Kunst und ihren Ausdrucksmöglichkeiten funktioniert es rein gar nicht.“

„Um so schwieriger, umso  kritischer sei  die Kommunikation mit Menschen ohne den  Bezug zur Kultur, zur Sehkultur, um genauer zu sein, das heißt mit Menschen, die die Kunst nicht wahrnehmen wollen.  Es ist nicht   bloß anstrengend. Solche Gesprächspartner entziehen sich der Welt, wie ich sie sehe, erlebe und umgekehrt. Die Inspiration in einem solchen Gespräch wird stark abgeschwächt“.

Voller Respekt und aus dem Herzen spricht der Künstler über die Malerei, was für eine Symbiose, jene mit seiner Existenz eingegangen ist.  Die Kunst macht unser Leben zu einem großen Abenteuer.

 

Referenzen im Web:

http://arnet.pagesperso-orange.fr/pages/Galerie_B/Page01/GalerieB020.htm

http://www.uni-koeln.de/phil-fak/khi/abgeschlma.html

http://www.artmajeur.com/?go=user_pages/display_all&login=gara

http://www.kunstverein-roederhof.de/termine/archiv/k_verzeichnis.php

http://www.barth-engelbart.de/g-presse.php

http://galerie-appassionata.com/

http://www.bbksuedbaden.de/seiten/kuenstler/f_kuenstler.htm

http://www.artmajeur.com/gara/

http://www.kunstverein-roederhof.de/termine/archiv/

 

 

 

„Alle Aspekte meines Wesens inspirieren sich gegenseiitig, gehören zusammen und das in einer Art ständiger Wechselwirkung. Sie ergeben immer neue Impulse, die beständig nach Ausdruck suchen. Die Ausdrucksformen bleiben so vielfältig und doch klar strukturiert wie ihre Inspirationsquellen selbst. Und doch scheinen sie, in dem Augenblich wo sie sich „materiaisieren “ ihre Grenzen einzuhalten. Nach der Bitte, es etwas genauer zu erklären, fuhr der Künstler fort:

„Mich interessiert die Theorie der modernen Malerei nicht weniger als die Malerei selbst, dennoch, wenn ich male dann male ich, dann gedenke ich nicht bewußt der Theorien, die ich studiert und entwickelt habe, und wenn ich theoretisch arbeite, dann begegne ich dem als einer wissenschaftlichen Disziplin“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*