Ivan Dimov

Über mich oder von Sofia nach Köln – schwimmend.

Als ich Anfang der 90er nach Deutschland kam und ein Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie begann, hatte ich bereits zwei sehr prägende Erfahrungen mit künstlerischer Ausbildung in meinem Heimatland Bulgarien hinter mir. Die eine war das Kunstgymnasium und die andere die Kunstakademie in Sofia.

Ich kenne niemanden, der dieses Gymnasium besucht hat, und sich nicht voller Zuneigung an die Zeit dort erinnert. Diese Art von Gymnasien gibt es erstaunlicherweise nicht in Deutschland. Dort haben die Schüler täglich mehrere Stunden Unterricht zu bewältigen, wobei die meisten Stunden auf die Kunstfächer entfallen. Bildhauerei, Komposition, Malerei etc. Die Lehrer der allgemeinen Fächer waren eine Randgruppe, die großzügig im Haus der Künste geduldet wurde. Selbstverständlich war zur meiner Zeit – Anfang der 80ger – der einzig „richtige“ Kunststil der Sozialistische Realismus und doch hat der ein oder andere mutige Lehrer angedeutet, dass es auch andere Formen der künstlerischen Suche gebe. Allerdings nicht in Richtung Osten, sondern Westen. Wir versprachen uns weitere Informationen vom Studium an der Kunstakademie.

Die Ausbildung an der Kunstakademie in Sofia muss man fairerweise als solide und sehr akademisch bezeichnen. Jährlich bewarben sich dort bis zu dreitausend Leute für 60 Plätze. Die Prüfungen dauerten zwei Wochen. Einmal angenommen, bekam man von morgens bis abends alles, was man schon immer über die Kunst wissen wollte. Allerdings – mit zwei Einschränkungen: Die eine war, dass die enorme Anzahl an Informationen bezüglich der handwerklichen Seite der Kunst nur eingeschränkt einsetzbar war, denn die meisten Materialien waren einfach nicht erhältlich.  Zugang zu guten Materialien hatten nur die Künstler, die sich als parteitreu erwiesen hatten. Da die meisten von uns sich aber dagegen stemmten, mussten wir sehen, wie wir aus dem letzten Dreck Farben anrühren konnten. Die zweite negative Seite unserer Ausbildung war, dass wir, Dank der sozialistischen Zensur, glaubten, die Geschichte der Malerei des Westens würde mit Picasso und Dalí enden. Hin und wieder hörten wir Namen wie Beuys, Warhol – allein sie sagten uns nichts.

Bild 2

Mit meinem Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf begann ich kurz vor der politischen Wende in Ostblock und erlebte bald darauf meine eigene, innere Wende. Schon die ersten Wochen an der Akademie hatten mich irgendwie auf den Kopf gestellt, denn ich wanderte durch ziemlich leere Gänge und fragte mich, ob vielleicht gerade Ferien waren, von denen nur ich nichts wusste. Irgendwann hat sich jemand meiner  erbarmt und mir erklärt, dass man hier für die Studenten ein Maximum an freiem Raum erschaffen hat, damit sie sich ohne Druck entfalten könnten. Ich fand das großartig, denn ich brauchte die Zeit, um all das, was in den letzten 30 Jahren in der Kunstwelt außerhalb der Eisernen Vorhangs vorgefallen war, in mich aufzunehmen. Es war einfach toll! Nicht nur konnte ich die Werke der Künstler im Original sehen, sondern einige von ihnen sogar live erleben. Sensationell!

Meine eigenes künstlerisches Schaffen war anfangs stark von Künstlern wie Donald Judd geprägt, aber es war vor allem Bruce Nauman, der mir half meine Impulse konsequent zu erforschen und so kam ich dazu, dass ich mehrere Objekte angefertigt habe, die sich mit den Wasserforschungen von Viktor Schauberger auseinandersetzten. Ich nannte sie Wasserwarten. Es sind Objekte geworden, die die Gedankenspiele eines Wasserzauberers widerspiegeln sollten. Die „Wasserwarten“ sind sozusagen der rote Faden in meinen Werken.

http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Schauberger

Bild 1

Bild 4

Ich bin in einer Familie von Schauspielern groß geworden. Zwar habe ich nie das Bedürfnis zu schauspielern verspürt, aber jenes Geschichten fürs Kino und Fernsehen zu erfinden und so kam es dazu, dass ich mich parallel zu meiner künstlerischen Tätigkeit auch der Filmlandschaft zugewandt habe.

http://www.halleschekometen.zauberlandfilm.de/

Zum Unterrichten an der Kölner Malschule bin eigentlich durch einen Zufall gekommen. Ich suchte dringend nach einem Job, denn gerade war ein großes Filmprojekt, mit lauter Stars der deutschen Kinolandschaft wegen Unstimmigkeiten zwischen Produzent und Verleiher geplatzt, für den meine Frau und ich das Drehbuch geschrieben haben. Jahrelang hatten wir dafür gekämpft und nun standen wir da mit – nichts. Tja, und dann kam ich an der Malschule vorbei. Zu meinem Glück brauchten sie einen Dozenten.  Ich wusste überhaupt nicht, ob ich als Lehrer taugen würde.

Erstaunt musste ich feststellen, dass ich die Tätigkeit schon nach kurzer Zeit als äußerst befriedigend empfand. Tolle, sehr familiäre Atmosphäre. Besonders faszinierend finde ich die Tatsache, dass nicht nur wir Dozenten den Schülern Kritik, Anregungen und Tipps geben, sondern umgekehrt auch die Schüler uns zum Nachdenken über unser eigenes Schaffen bringen. Kurzum – es ist eine sehr anregende Art von Kommunikation, die ich auf keinen Fall missen möchte.

  www.ivan-dimov.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*