Beispiel einer Lektion

 Künstlerische Grundausbildung: Lektion

Lektion 1 – oder ein zeichnerisches Workout für Anfänger!

Die folgenden Lektionen sind eine abgespeckte und internetkompatible Variante von unserem Zeichen-Programm.

Dir gefallen die Linien, die du zeichnest nicht? Zu ungenau, zu mickrig und verwackelt und das Gezeichnete hat rein gar nichts mit dem ausgesuchten Motiv zu tun?

Kein Problem. Übe keine Kritik!

All das ist ganz normal. Du bist einfach noch nicht in Form. Als erstes solltest du aufhören, dich mit Fragen wie: „Was ist eine gute Zeichnung? Was ist eine geniale Zeichnung? Was ist eine schlechte Zeichnung? Wann werde ich so gut sein wie …? Werde ich überhaupt jemals so gut sein wie…?“ zu quälen.

Bedenke in diesem Zusammenhang folgende zwei Tatsachen:

Dank der heutigen Medien bekommen wir meistens nur die Crème de la Crème der Kunst zu sehen. Aber selbst die größten Künstler haben nicht nur wunderbare Zeichnungen gemacht. Hin und wieder haben sie auch Mist produziert. Zum anderen haben die Meister, die euch mit ihren Werken beeindrucken, alles investiert, um diesen Grad der Perfektion zu erreichen und trotz ihrer außergewöhnlichen Begabung haben sie jahrelang in der Lehre verbracht.

Irgendjemand hat mal gesagt, dass Genie 1% Talent und 99 % harte Arbeit ist. Lasst uns also direkt mit der Arbeit anfangen. Nach und nach werden wir schon herausfinden, ob wir dieses eine Prozent Talent besitzen oder nicht. Sollten wir feststellen, dass das nicht der Fall ist und wir keine genialen Zeichner geworden sind, so werden wir zumindest zweifelsfrei erkennen, dass wir viel besser mit dem Stift geworden sind.

Die ersten Erfolge werden sich in dem Moment einstellen, in dem du aufhörst nachzudenken, in welche Richtung du eine Linie ziehen sollst, sondern es einfach tust. Ohne nachzudenken. Je länger man nachdenkt, umso komplizierter wird alles. Die Muskeln verkrampfen sich, die Proportionen stimmen nicht mehr. Der Weg deiner Vorstellung vom Hirn bis zur Bleistiftspitze scheint sich immer mehr zu verlängern. Nun müssen wir an dieser Stelle einmal festhalten, dass Zeichnen für unsere Muskeln etwas Ungewöhnliches ist. So wie auf einem Seil zu balancieren oder einen Igel zu streicheln.

Also sollten wir genau damit anfangen – mit dem Training für unsere Muskeln.

Wie oft kannst du in der Woche zeichnen? Ein, zwei Mal oder öfter? Egal. Nimm dir einen Monat lang Zeit, um diese Übung durchzuführen. Nimm dir jedes Mal, wenn du zeichnest, einen ganz neuen Bleistift (B oder 2B) oder einen Kugelschreiber oder einen Fineliner (deine Entscheidung). Wichtig aber ist, dass sie alle absolut neu sein müssen. Dann beginne damit, unterschiedliche Linien zu zeichnen. Nur Linien – in alle möglichen Richtungen. Nichts Konkretes, nur rumkritzeln. Nach zwanzig Minuten fängst du an, Kreise, Kuben, Spiralen nebeneinander und übereinander zu zeichnen. Fülle ein Blatt nach dem anderen damit. Wie lange? Bis der Stift, Kugelschreiber oder Fineliner leer ist. Schmeiß alles weg! Natürlich in den Trennmüll.

Ende des Trainings.

Klar – das Ergebnis wird nicht besonders aufregend sein. Aber wir haben etwas sehr Wichtiges gemacht – wir haben unsere Muskeln trainiert. Es ist so:

Wenn wir monatelang Bücher wälzen, um alles über die Technik oder die Tricks von so großartigen Fußballern wie Ronaldo zu lernen, heißt das noch lange nicht, dass wir am Ende so gut spielen können wie er. Er denkt nicht nach, wie er den Ball treffen soll – er reagiert instinktiv. Sein Körper, seine Muskeln erinnern sich an alles, was er geübt hat. Und schon bald werden sich auch deine Muskeln daran erinnern und das Zeichnen wird immer mehr zu einer Routinebewegung ähnlich wie gehen, in die Hände klatschen, schwimmen etc. – aber bis dahin müssen weiter machen.

Viel Erfolg!

 

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