Rückblick auf meine erste Ausstellung

Virginia Reiner

Rückblick auf meine erste Ausstellung.

Dieses Jahr habe ich mir ein lang ersehnten Traum erfüllt und meine erste Ausstellung gemacht. Zum ersten Mal habe ich meine Bilder öffentlich gezeigt. Bereits bei den Vorbereitungen dazu habe ich gemerkt, dass das alles nicht ganz ohne ist.

Es fängt ja unweigerlich mit der Frage an, ob man sich selbst als Künstler begreift und seine Werke der Öffentlichkeit zeigen möchte. Diese Frage stellte sich mir immer wieder in den Weg. Ebenfalls die Frage nach der Bedeutung des Künstler-Seins.

Meinen inneren Drang, Kunst zu machen, habe ich jahrelang unterdrückt oder bin ihm aus dem Weg gegangen, bis es nicht mehr ging.

Bis es mich förmlich angeschrien hat. An dieser Stelle könnte ich lauter Erlebnisse aufzählen, die mich vom Kunstmachen abgehalten haben, Dinge die man mir beigebracht oder gesagt hat, schlechte Noten, die ich für meine Malerei bekommen habe…


Virginia Reiner
Virginia Reiner

Allerdings muss ich gestehen, dass ich mir selber immer im Weg gestanden habe, mir weder erlaubt noch zugetraut habe, mich als Künstlerin zu sehen oder ernstzunehmen.

Warum? Weil es einem „an die Nieren“ geht, weil es anstrengend ist und viel Arbeit macht. Aber vor allen Dingen aus Angst.

Angst, nicht gut genug zu sein, nicht kreativ oder eigenständig genug und den eigenen Erwartungen nicht gerecht zu werden. Zudem ist es so, dass Künstler, es sei denn sie sind „ökonomisch erfolgreich“, in der Gesellschaft kein besonders hohes Ansehen haben. Sie gelte als „brotlose“, „Möchtegern“ usw.

Das Ansehen ist tatsächlich ein Faktor, der mich lange beeinflusst hat. Nun habe ich aber seit ein paar Jahren der Kunst in meinem Leben einen ernsthaften Platz gegeben und hatte das Gefühl, endlich so weit zu sein. Für mich ist das Malen der Ausbruch aus dem Erwartungskanon – meine Bilder müssen niemandem gefallen oder funktionieren, sie müssen weder etwas aussagen, noch irgendeine Bedeutung haben oder gar eine Botschaft transportieren. Die Bilder entstehen und dürfen dann sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ich war sehr gespannt, wie die Vernissage sein würde, vor allen Dingen, weil ich nicht gerade eine „Rampensau“ bin. Ich hasse es geradezu im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von mehr als einer Person auf einmal zu stehen. Ich war aufgeregt und gespannt zugleich. Eine Mischung aus Warten auf die Gäste der eigenen Geburtstagsparty (schließlich hatte ich eine Menge Leute eingeladen) und Prüfungsnervosität.

Witzig war, dass ich mich mit der Meinung anderer Menschen zu meinen Bildern konfrontiert sah und zwar auf eine Art und Weise, mit der ich nicht gerechnet hatte. Tatsächlich war doch eine der ersten Fragen, die mir auf der Vernissage gestellt wurden: Wo ist die Signatur?
Die WAS?? Signatur? Die ist auf der Rückseite!
Warum sollte ich bitte mein Bild vorne mit meinem Namen versehen wie ein Kindergartenkind? Es wird sich doch wohl niemand ein Bild Zuhause aufhängen, nur weil es von mir ist!

Aber – die Frage kam oft.

Danach kam die Frage, warum ich meine Bilder nicht alle auf einer Höhe oder einer Horizontlinie aufgehängt hätte. „So wie man das sonst macht.“ Mann, Mann, Mann…
Und warum die Bilder keine Namen hätten. Namen? Natürlich könnte ich mir hochtrabende Titel für meine Bilder ausdenken. Aber im Ernst: Das möchte ich gar nicht. Das passt weder zu mir, noch zu meiner Vorgehensweise beim Malen. Damit würde ich den Bildern eine Bedeutung, Botschaft, Absicht unterjubeln, die sie schlicht und ergreifend nicht haben! Sie sollen doch nur sein und nicht darstellen…

Eine weitere häufig gestellte Frage war, warum keine Preisschilder neben den Bildern hängen. Echt jetzt?

Ich verstehe: Es gibt also auch in der Kunst – die für mich ein gesetzloser Raum für Experimente und Expression ist – offensichtlich allgemein gültige Formalien. Ich habe ein paar davon nicht beachtet.

Mit einer befreundeten Psychologin, die selber Künstlerin ist, habe ich später über meine Erfahrung gesprochen. Sie sagte mir etwas sehr Interessantes: Menschen neigen dazu, sich an Formalitäten zu orientieren, wenn der Inhalt einer Sache sie stark berührt und sie verunsichert sind. Auch gut zu wissen.

Die Vernissage war toll. An dieser Stelle möchte ich mich gerne bei Miriam Wolff bedanken, dafür, dass sie mich zu dieser Möglichkeit eingeladen hat. Ich habe viele, sehr schöne Gespräche über meine Beweggründe oder Entstehungsweise der Bilder geführt und mich sehr wohl gefühlt in der Rolle der Gastgeberin und ausstellenden Künstlerin. Dafür bedanke ich mich bei allen, die da waren und insbesondere bei Deephonia, die den Tag mit ihrer wunderschönen Musik eröffnet haben. Alle zusammen haben diesen Tag für mich unvergesslich gemacht.

Das Ausstellen hat mir persönlich sehr gut getan. Ich musste mich im Vorfeld mit mir und meinen Werken auseinandersetzen, angefangen beim Verfassen einer Selbstdarstellung, die bei der Ausstellung auslag, über die Auswahl der Bilder und deren Anordnung im Raum und das Festlegen von Preisen bis hin zu ganz pragmatischen Sachen wie: Wer holt die Sektgläser ab und wo stellt man am besten das Fässchen hin.

Ich habe aber auch gemerkt, dass man die Fragen, die kritischen Anmerkungen, aber auch das Lob aushalten können muss. Dafür ist es nötig, gefestigt zu sein – in sich und seiner Kunst. Ein Jahr vorher hätte ich das sicher nicht gekonnt, weil mich jede Bemerkung verunsichert hätte.

Abgesehen von den ganzen Freunden und Bekannten, mit denen ich einen tollen Tag und Abend verbracht habe, habe ich mein Selbstverständnis für meine Arbeiten und für mein Künstlerin-Sein überprüfen und festigen können.

Vor allen Dingen hat es mich darin bestärkt, meine Kunst so weiter zu verfolgen, wie ich sie angefangen habe: Naiv, experimentierfreudig und frei von Intention, Sinn und Verstand.

Einfach nur sein.

So kann ich heute auf die Frage: „Bist du eine Künstlerin?“ mit einem ehrlichen JA! aus dem Bauch heraus antworten. DAS ist unbezahlbar!

Und daran ändert auch nichts, ob ich ein Bild verkauft habe oder nicht. 🙂

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