Yvonne Richter

Kölner Malschule – Schüler im Gespräch

Y v o n n e   R i c h t e r

Yvonne Richter
Yvonne Richter

IVAN DIMOV: Liebe Yvonne, ich darf dich herzlich zu unserer Plausch-Runde begrüßen.

YVONNE RICHTER: Ich freue mich, dass wir es endlich geschafft haben. (lacht)

IVAN: Ja, das grenzt an ein kleines Wunder bei deinem Arbeitspensum. Lass uns also lieber sofort  anfangen.

YVONNE: (lacht) Schieß los!

IVAN: Es hat sich schon etabliert, dass wir mit etwas Biografischem loslegen. Falls das für dich in Ordnung ist.

YVONNE: Kein Problem. Ich bin am 17. 07. 1962 in Frankfurt/ Main geboren. Ich habe eine 4,5 Jahre jüngere Schwester und zwei ältere Halbbrüder.

IVAN: Wie war deine Kindheit so?

YVONNE: Sehr turbulent. Ich habe immer mit Jungen gespielt und war als Kind ziemlich wild. Habe gern in verwilderten Gärten gespielt und bin auf Baustellen herumgetollt und mich dabei ordentlich schmutzig gemacht, weil ich gern in der Erde und im Matsch gegraben habe. Tiere fand ich super; wir hatten immer Katzen – die erste hieß Kitty und hat an meinem Fußende geschlafen. Ich weiß, das hört sich kitschig und abgedroschen an, aber dieses Tierchen hat mich z. B. getröstet, wenn ich Kummer hatte.

IVAN: Ich weiß, was du meinst. Ich bin selbst in einer sehr katzenfreundlichen Umgebung groß geworden. Verspürtest du schon als Kind den Drang, dich kreativ auszudrücken?

Yvonne Richter
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YVONNE: Ich weiß nicht, wie kreativ das war, aber ich habe ziemlich viel gemalt und gebastelt. Meine Kunstwerke fanden bei meinen Lehrern/Lehrerinnen lange Zeit nicht besonders viel Anerkennung, was sicher zum größten Teil daran lag, dass meine Bastelarbeiten ziemlich klebrig waren. (lacht)
Wenn ich jetzt so zurückdenke, fällt mir ein, dass ich das Zeichnen nicht besonders gemocht habe.

Diesen ganze Wahn in der Schule, mit der Benotung von Kunst, fand ich alles andere als begeisternd.

Ich hatte das Malen-und Zeichnen-Ding schon fast für immer ad acta gelegt, da bekam ich in der Oberstufe eine Lehrerin, die einen unglaublich anspornen konnte und uns sinnvolles Feedback gab. Plötzlich war ich Feuer und Flamme und am Ende ermutigte sie mich gar dazu, Kunst zu studieren.

Außerdem hat sie mich bei der Zusammenstellung meiner Mappe unterstützt. In meiner Jugend habe ich besonders gerne mit Ton gearbeitet und gebildhauert. Ich habe entdeckt, dass ich darüber prima meinen Frust und Ärger abbauen kann und mich dadurch von der Familie und vor Allem meinem strengen Vater zurückziehen konnte.

Ich hatte mir im Keller eine eigene kleine Werkstatt eingerichtet, und weil die Bearbeitung von Ytong und Speckstein extrem staubig ist, haben  meine Eltern es toleriert und fanden später sogar einige Werkstücke ganz schön. Ich hatte meine Eltern dann auch irgendwann soweit, dass sie ein Kunststudium gebilligt hätten, war aber selbst nicht so sehr von meiner künstlerischen Begabung überzeugt. Außerdem hatte ich damals einen Freund, der auch Kunst studieren wollte und meinte, ich würde die Kunst nicht ernsthaft genug betreiben.

IVAN: Also hast du was anderes beschlossen…

Yvonne Richter
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YVONNE: Ja.  Weißt du, dieser ganze Aspekt, dass künstlerischer Ausdruck guttut und der Seele hilft, Erlebnisse zu verarbeiten, hat mich überzeugt; hatte ich ja am eigenen Leib erlebt, und hatte da schon die Idee, Kunsttherapie zu studieren. #

Damals wurde das aber nur von den Anthroposophen angeboten und darauf hatte ich keine Lust. Dann habe ich eigentlich aus „Verlegenheit“ die Ergotherapie-Ausbildung gemacht, weil ich in diesem Beruf die Arbeit mit Menschen und das Kreative miteinander verbinden konnte; auch weil ich schnell finanziell unabhängig sein wollte.

IVAN: Gab es in deinem Umfeld Familienangehörige, die an Kunst interessiert waren?

YVONNE: Lass mich nachdenken! Ich glaube, andere Künstlerinnen oder Künstler gab es

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in meinem familiären Umfeld leider nicht. Moment! Heute ist eine Cousine väterlicherseits in der Schweiz sehr aktiv. Aber sonst war da nicht viel los und es herrschte eigentlich auch gar kein Kunstverständnis, obwohl ich aus einer eher gutbürgerlichen Familie komme, die sonst kulturell interessiert und nicht als ungebildet einzuordnen ist .

Alle Diskussionen mit meinem Vater, nicht nur über Kunst, endeten im Streit. Seltsamerweise hat mein Vater früher selbst mal sehr schöne Gedichte geschrieben, als er noch jung war. Ich habe mal eins von ihm gelesen und konnte gar nicht glauben, dass dieser Vater, den ich kannte, so etwas Gefühlvolles/Liebevolles zustande gebracht hat. Was ist mit ihm passiert? Es wird für mich immer ein Rätsel bleiben.

IVAN: Du hast selbst auch ein Kind.

YVONNE: Ich habe einen 16- jährigen Sohn. Er ist mit Pinsel und Farben groß geworden, ist auch gut in Kunst und hat Darstellen und Gestalten als erstes Wahlpflichtfach an der Schule; er erwirbt sich dort Bühnenerfahrung, kann sich gut und angstfrei in Szene setzen.

IVAN: Das ist toll! Komm doch mit ihm mal in der Malschule vorbei!

YVONNE: Gerne – wenn er Lust hat.

IVAN: Wie bist du eigentlich auf die Idee gekommen, bei uns anzufangen?

YVONNE: Ich führe seit 14 Jahren eine Praxis als Ergo-  und Kunsttherapeutin

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und finde, dass Kunst, künstlerisches Schaffen und Kreativität, eine wunderbare Wirkung auf Menschen hat. Ich musste aber auch feststellen, dass ich ein paar „Baustellen“ habe, an denen ich gerne weiter arbeiten würde. Ich brauchte neuen Input, um in meinem künstlerischen Schaffen voranzukommen; alle Techniken nochmal von Grund auf zu lernen, um mein „Handwerkszeug“ zu verbessern und mich in diesem Bereich weiter zu entwickeln.

Ich hatte das Gefühl, dass ich ganz nette Sachen mache, aber immer im eigenen Saft schmore damit. Und sicher würde es eine Bereicherung für meine kunsttherapeutische und künstlerische Arbeit mit meinen Patienten sein. Ich könnte sie in der Atelierarbeit fachkundiger anleiten.

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IVAN: Und wie hast du diese Zusammenarbeit erlebt?

YVONNE: Anfangs habe ich mich unfähig gefühlt, hatte einen hohen Anspruch an mich und habe meine Bilder oftmals als Beweis erlebt, dass ich eben doch nicht gut malen kann. Bei mir hängt die Zufriedenheit aber auch deutlich mit der Person des / der Dozenten zusammen. Mit einigen komme ich gut klar und fühle mich aufgehoben, gesehen und gefordert, auch weil ich immer meinen eigenen Kopf habe und gern mal vom Programm abweiche. Aber eigentlich kennst du mich inzwischen ziemlich gut und kannst vielleicht besser als ich antworten.

IVAN: Ich finde es sehr gut, dass du deinen eigenen Kopf hast. Weiter so!

YVONNE: Ich  weiß, dass ich die festen Zeiten in der Woche brauche, damit ich nicht vergesse, zu malen, für mich zu malen, sonst geht das unter im Praxisgeschäft. Am liebsten habe ich die Tage, an denen ich nur male, sonst nichts. Da schaffe ich was und habe die Birne frei.

Eine meiner spannendsten Erlebnisse im letzten Jahr war unsere Auseinandersetzung mit Monet, mit seiner Geschichte und seinen Werken, seinem Stil, der sich im Laufe seines Lebens geändert hat etc. Für mich sehr anregend.

IVAN: Ja, wie du mit der impressionistischen Malweise gekämpft hast. Du hast sie gehasst und danach musste ich dir ganz offiziell verbieten, impressionistisch zu malen. Welcher Künstler liegt dir besonders am Herzen?

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YVONNE: Ach, es sind so viele. Aber wenn ich mich für einen entscheiden muss, wäre das Joseph Beuys, gerade weil er verstört hat und den Satz  „Jeder Mensch ist ein Künstler“ in die Köpfe der Normalos gebracht hat. Das gefällt mir; das ist auch meine Meinung. Kreativität/ Kunst ist nichts Elitäres, sondern ein Menschenrecht und ein menschliches Bedürfnis. Seine Meisterschüler habe ich schon ein paar Mal in Aktion gesehen, in Bonn, als der U-Bahnhof gebaut wurde und auf der Museumsinsel Hombroich. Solche Ausstellungen finde ich auch toll, wo man innen und außen etwas zu schauen hat und die Natur mit einbezogen wird.

Yves Klein finde ich gut- sein BLAU hat es mir angetan. S. Dali  und L. Da Vinci haben mich sehr inspiriert usw., usw. Es gibt bei mir immer so Phasen, wo ich eine Kunstrichtung oder einen bestimmte(n) Künstler/ Künstlerin toll finde und mich dann damit auseinandersetze.

IVAN: Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?

YVONNE: Expressiv, experimentell, informell. Ich lasse mich gern vom jeweiligen Material führen und inspirieren. Ich arbeite gern mit allen möglichen Materialien, die Strukturen schaffen, ich schaue gern der Farbe zu, wenn sie läuft und sich ihren Weg bahnt.

IVAN: Du bist aber auch an Bildhauerei interessiert.

YVONNE: Ja in der Tat. Ich habe im Rahmen meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin mein Betriebspraktikum bei einem Steinmetz gemacht und Bildhauerei hat mich lange viel mehr interessiert als Malerei; das Dreidimensionale hat mich inspiriert und es fand ein Dialog zwischen mir und dem entstehenden Objekt statt.

Aus gesundheitlichen Gründen musste ich das „Steineklopfen“ leider aufgeben. Mit ca. 40 Jahren habe ich dann mein Herz für das Gold- und Silberschmieden entdeckt: Ich hatte mir zum 40. Geburtstag ein Schmuckseminar auf einer Finca auf Mallorca gewünscht.

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Dann habe ich danach noch zwei weitere Kurse im Atelier von Tasso Mattar einem Künstler/Schmuckdesigner auf Mallorca gemacht und einige Wochenendkurse bei einer Goldschmiedin in Köln( E. Pleiß).

Ich habe selbst Schmuck entworfen und hergestellt unter Anleitung der Fachleute.

IVAN: Damals, als du zu uns kamst, warst du gerade dabei, eine Ausstellung vorzubereiten. Jetzt ist wieder mal so weit.

YVONNE: In der Tat. Die Ausstellung „Strukturen“.
Ende Januar im Chorweiler Handwerkshof.

IVAN: Wunderbar. Für alle, die noch mehr über dich erfahren wollen, hier die Adresse deiner Homepage: http://www.kunst-ergo.de/ Yvonne, danke für deine Zeit.

YVONNE: Danke dir.

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