Ivan Dimov: Eigentlich….

Eigentlich ….

Eigentlich wollte ich über meine Eindrücke bezüglich der Werke des  chinesischen Konzeptkünstlers, Bildhauers und Menschenrechtlers  Ai Weiwei  sprechen.  Aber so einfach ist das nicht, angesichts der Tatsache, dass er nach seinen jüngsten regierungskritischen Äußerungen im Rahmen der Proteste in China 2011 seit dem 3. April 2011 an unbekanntem Ort in Haft sitzt. Es wird ihm ein „Wirtschaftsdelikt“ vorgeworfen! Der Sprecher des Außenministeriums äußert sich dazu doch recht klar:  „Provokante Menschen wie Ai Weiwei muss man im Zaum halten.“ Seit Ende Februar 2011 sind etwa 25 Dissidenten verschwunden oder wurden verhaftet, teils mit ihren Familienangehörigen. Also lasst uns als Erstes bitte die Petition zu Ai Weiweis Befreiung unterschreiben:

http://twitition.com/ao9m7

Der Weg Ai Weiweis als  „provokanter Mensch“ scheint ihm vorbestimmt gewesen zu sein. 1957 als Sohn des chinesischen Dichters und Regimekritikers, Ai Qin, geboren. Wegen der 20-jährigen Verbannung des Vaters, wuchs er zunächst in der Mandschurei und in Xinjiang auf.

1978 schrieb er sich an der Pekinger Filmakademie ein und studierte dort. 1979 war er eines der Gründungsmitglieder der Künstlergruppe Stars Group, die eine chinesische Kunst nach staatlicher Leitlinie ablehnte. Von 1981 bis 1993 lebte er in den USA, vor allem in New York City, und beschäftigte sich in dieser Zeit mit Performance- und Konzeptkunst. Während seines Aufenthalts in New York schloss er ein Studium an der Parsons School of Design ab. 1993 kehrte er, wegen einer  Erkrankung seines Vaters, wieder nach Peking zurück, wo er auch heute noch im Kunstbezirk Dashanzi lebt. 1994 gründete er die Galerie China Art Archives and Warehouse für experimentelle Kunst in Peking.

Wegen seines politischen und gesellschaftlichen Engagements, war er regelmäßig Repressalien durch chinesische Behörden und die Polizei ausgesetzt. Bei einem Polizeieinsatz aufgrund von Recherchen zum Erdbeben in Sichuan wurden Ai Weiwei und zehn seiner Helfer von der Polizei in ihrem Hotel aufgeschreckt und geschlagen. „Sie benahmen sich wie Gangs in einem Spielfilm, sie konnten einfach machen, was sie wollten, es war erschreckend“, sagte Ai Weiwei der Agentur Reuters. Ai Weiwei und seine Helfer hatten an dem Prozess gegen den Aktivisten Tan Zuoren teilnehmen wollen, der nach dem verheerenden Erdbeben im vergangenen Frühjahr den Tod von Kindern und Baumängeln an Schulgebäuden untersucht hatte. Im Herbst 2010 verfügte die Stadtverwaltung von Shanghai die Räumung des Gebäudes, in dem sich sein Atelier befand. Als Ai Weiwei daraufhin eine „Abriss-Party“ ankündigte, um die Öffentlichkeit auf die geplante Zwangsräumung des Gebäudes hinzuweisen, wurde er am 5. November 2010 von den Behörden für zwei Tage unter Hausarrest gestellt. Zu der Feier hatten sich nach telefonischen Angaben Ai Weiweis ca. 1000 Besucher mit Internetzugang angemeldet. Die Party fand mit ca. 800 Personen ohne den Gastgeber statt. Presseberichten und der Deutschen Presseagentur zufolge, sprach sich Ai Weiwei am 6. November gegen die Umweltzerstörung und die mangelnden Bildungschancen in China aus und kritisierte:

„Die Regierung, das gesamte System …opfert Bildung, Umweltressourcen und die Interessen der meisten Menschen, nur damit einige wenige Menschen mit Verbindung zur Regierung extrem reich werden können.“

Am 11. November 2010 informierte Ai Weiwei die internationalen Medien darüber, dass er ein behördliches Schreiben erhalten habe, in dem er aufgefordert wird, das Gebäude, in dem sich sein Studio befindet, vor dem 21. November auf eigene Kosten abzureißen. Gleichzeitig machte der Künstler bekannt, dass Ziao Lianhai mit der Begründung, er habe soziale Unruhen angeheizt, zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden sei, weil er Elterngruppen zur Aufdeckung des Babynahrungsskandals aus dem Jahre 2008 gegründet hatte. Den Grund für den zunehmenden Druck seitens der Shanghaier Behörden sieht Ai Weiwei in seiner politischen Aktionskunst. Anfang Dezember 2010 wurde Ai Weiwei erstmals daran gehindert, aus der Volksrepublik China auszureisen. Dies wird in Verbindung gebracht mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an den Regimekritiker Liu Xiaobo in Oslo, der an der Übergabezeremonie am 10. Dezember 2010 nicht teilnehmen kann, weil er aus politischen Gründen inhaftiert ist.

Das Atelier wurde am 11. Januar 2011 abgerissen.

Im März 2011 wurde bekannt, dass Ai Weiwei ein Atelier in Berlin-Schöneweide erworben hat und mit seinem Team in Zukunft dort arbeiten will.

Am 3. April 2011 wurde Ai Weiwei auf dem Weg nach Hongkong am Pekinger Flughafen von der chinesischen Polizei festgenommen und bis auf weiteres inhaftiert. Er soll sich wegen nicht näher benannter „Wirtschaftsverbrechen“ vor Gericht verantworten. Wenige Tage zuvor kam der deutsche Außenminister Westerwelle zu einem Staatsbesuch nach China und eröffnete dabei die Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ im Nationalmuseum in Peking. Ai Weiwei stand zwar auf der Einladungsliste der deutschen Veranstalter, wurde aber seitens der chinesischen Autoritäten nicht zur Eröffnungszeremonie zugelassen. Er hatte nämlich zuvor verlautbart, Deutschland zeige ausgerechnet am Platz des Himmlischen Friedens, wo 1989 die Protestbewegung gewaltsam beendet worden war, diese Ausstellung und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Unterdrückung erneut zugenommen hat.

Die Inhaftierung Ai Weiweis durch die chinesische Polizei ist der vorläufige Höhepunkt im politischen Kampf des Künstlers. Zur TED-Konferenz in den USA ließ Ai Weiwei eine Videobotschaft verbreiten, die zeigte, mit welchen Mitteln die chinesische Regierung den Künstler überwacht und versucht einzuschüchtern. Die Ehefrau des Künstlers erhielt Redeverbot, zwei seiner Mitarbeiter und Liu Xiaoyuan, einer seiner Anwälte, sind ebenfalls verschwunden. Indessen hat einerseits eine Medienkampagne mit Anschuldigungen gegen Ai Weiwei begonnen, andererseits gibt es vermehrt internationale Protestaktionen gegen seine Inhaftierung.

Das chinesische Außenministerium wies auf einer Pressekonferenz am 10. Mai 2011 die Berichterstattung in der deutschen Öffentlichkeit und die Anfragen deutscher Journalisten mit der Begründung zurück, die deutschen Medien sollten die „Souveränität der chinesischen Justiz“ respektieren. Ai Weiwei würden Wirtschaftsdelikte vorgeworfen, und die Außenwelt sollte die laufenden Ermittlungen nicht kommentieren.

Weiter hieß es: „Niemand hat das Privileg, sich über das Recht zu stellen oder die Grenzen des Gesetzes zu überschreiten, nur weil er von jemandem im Westen geschätzt wird.“

Während eines Besuchs von Gremien der Europäischen Union Mitte Mai 2011 bezeichnete der stellvertretende chinesische Außenminister die Kritik der Europäer zudem als „herablassend“.

Lasst uns herablassend bleiben und keine Ruhe geben, bis sich endlich  etwas ändert…

Hier könnt ihr einige Werke Ai Weiweis sehen:

http://forestgospel.blogspot.com/2011/02/ai-weiwei.html

Lasst uns darüber sprechen!

Bis bald in der Malschule — Ivan

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