Alte Meister – Kompakt. Dürer Reloaded

IVAN DIMOV  ~ ALTE MEISTER KOMPAKT

Dürer Reloaded

Letztes Jahr haben wir in der Studiengruppe als Einstieg in unser Programm eine Kopie von Caravaggio gemacht. In diesem Jahr haben wir beschlossen, uns Dürer vorzunehmen.  Dieser Blog ist für die anderen Schüler der Malschule, die nicht in dieser Studiengruppe sind, aber mich gebeten haben, etwas über die Technik Dürers zu schreiben,  damit sie ihre eigenen Versuche machen können.  Diese Information hat nicht den Anspruch 100%ig richtig zu sein, denn letztendlich hat niemand Dürer persönlich bei der Arbeit über die Schulter geschaut.Ich benutze Max Doerner als Quelle in Bezug auf die Beschreibung von Dürers Methode.

Es gibt keinen Zweifel, dass Dürer unter Einfluss der früheren flämischen Malweise stand. Allein wegen seines sorgfältig hergestellten Gipsgrundes, der sauberen Vorzeichnung und einer meist ockerfarbenen Imprimatur und nicht zu vergessen die Weißhöhung. Es wurde in reinen Tönen übereinander gefärbt, nicht in einander vermischt und vor allem nicht mit kalten und warmen oder komplementären Tönen. Dadurch blieb natürlich die angestrebte Schönfarbigkeit des Tones erhalten. Für Dürer hatte die genau Festlegung der Zeichnung höchste Priorität. Zur Leuchtkraft seiner Bilder trugen natürlich die frisch angeriebenen Farben bei. Anbei ganz grob die Herstellungsschritte:

  • 1)  Als erstes wurde ein dichter weißer Gipsgrund hergestellt.
  • 2) Die Zeichnung wurde durchgepaust und die Konturenzeichnung mit Tusche oder schwarzer Temperafarbe gemacht
  • 3) Die Imprimitur mit rötlicher oder gelbockeriger Ölfarbe und Essenzfirnis. Alle über dem Grunde stehen bleibende Lasurfarbe wurde mit dem Lappen abgewaschen. Der Imprimiturton war mager und glänzte kaum. Es arbeitete sich auf ihm wie Tonpapier. Die Tuschezeichnung blieb vollkommen sichtbar. Sehr vorteilhaft ist eine Imprimitur in Kasein oder Eitempera, mit Mastixfirnis überzogen (oder Dammar) weil sie nicht aufgelöst wird durch die Lasur. Man macht ins Nasse oder Trockene: die Lichterhöhung mit Temperaweiß, beginnend vom höchste Licht im Fleisch, anfangs strichelnd, in den Gewändern breiter. Die Weißhöhung wird am besten in Schichten gelegt. Der erste dünne flächige Ton, übers Ganze ausgebreitet, wird nachher im Licht verstärkt. Im Schatten scheint der Ockerton durch. Auch im Licht wird flächig gehöht, ohne höchste Lichter ohne große Tiefen im Schatten.
  • 4) Nach genügend erscheinender Lichthöhung erfolgt eine Harzölfarbenlasur, verdünnt mit Firnis oder Balsam mit eingedicktem Öl.
  • 5) Dort, wo die Form noch Mängel zeigt, wird in Temperaweiß ins Nasse gehöht, auch mit Schwarz oder Neapelgelb kann gearbeitet werden.
  • 6) Weitere Lasur halbdeckend in dünner Lage mit Harzölfarbe. Auch die Lasuren sollen vom Hellen allmählich ins Dunkle gemacht werden. Indem man dort vertieft, wo es nötig erscheint, entstehen dann Zwischentöne auf einfache Weise. Auch die in Weißhöhung flache Modellierung wird nun vertieft.
  • 7) Wichtig ist die Lichthöhung immer heller zu halten, als der beabsichtigte Tonwert, den man zum Schluss erzielen will, sonst wird die Lasur nicht klar und leuchtend. Lasuren wurden nach alter Art mit dem Handballen oder mit den Fingern eingerieben. Jede Ölfarbenlasur muss in sehr feiner, dünnster Verteilung aufgetragen werden. Dicke Farbe wäre hier der Tod der Leuchtkraft. Alle Lasuren werden dünn aufgetragen. So entsteht ein gewisser Schmelz. Der Auftrag muss rasch gemacht werden, nicht verquält, sonst reißt man den Grund auf.

Bis bald in der Malschule — Ivan

 

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