Ivan Dimov: Wartet nicht!

Wartet nicht!

Das Leben ist kurz. Das wissen wir alle. Und je älter wir werden desto kürzer. Auch das ist kein Geheimnis. Aber wir kleben mehr am Leben je älter wir sind. Und mit älter meine ich – echt alt.

Ich las letztens einen klugen Satz von meinem Lieblingskolumnisten Martenstein, der sehr richtig bemerkte, dass sich 90jährige im Gegensatz zu 20jährigen nie umbringen, es sei denn sie sind todkrank und leiden sehr stark.

Ivan Dimov
Ivan Dimov

Als 20jähriger scheint man also nicht so sehr am Leben zu hängen wir als 80jähriger. Das ist doch irgendwie seltsam und müsste doch, rein von der Logik her, andersherum sein. Im Zweifel haben wir mit 80 doch Einiges erlebt, hoffentlich viel Erfüllendes, bestimmt auch viel Schmerzliches – aber in jedem Fall viel.

Da sollte es doch leichter fallen, abzutreten als mit 20, da alles noch vor einem liegt und man, zumindest glaubt, man müsse nur die Hand danach ausstrecken und wenn nicht heute, dann passiert es eben morgen oder nächste Woche, nächstes Jahr, in fünf Jahren…. So what!

Vielleicht liegt aber genau da der Hase begraben. So viele Jahre lang schieben wir das Leben auf. Die Träume, die auf unserer Liste stehen, können ja auch später noch verwirklicht werden.

Aber irgendwann geht uns auf, dass jetzt bereits „später“ ist und dann sind wir blöderweise schon 55.

Wie oft im Leben werden wir, sofern wir nicht total im Stress sind, zum Warten verdammt. Als Selbstständiger erlebt man das sicherlich sehr intensiv im Beruf. Wir entwickeln ein Projekt, schwitzen tage- und nächtelang ohne Unterlass, präsentieren es dann dem Auftraggeber und warten auf Feedback (und auf das Geld). Oftmals dauert es fast ebenso lange, bis man ein Feeback erhält, wie es gedauert hat, das ganze Projekt fertigzustellen. In der Zwischenzeit kaut man an seinen Nägeln und kann nichts Gescheites anderes anfangen, weil man wartet, dass es irgendwie weitergeht (falls es weitergeht).

Die Zeit verstreicht. Man ist frustriert und übel gelaunt, weil man sich so blöd und sinnlos vorkommt. Anstatt also die freie Zeit zu nutzen, um sich mit den vielen schönen Dingen zu befassen, die diese Welt für einen bereithält, versumpft man im eigenen Mief.

Da gibt es allerdings heute so einige Gegenbewegungen. Slow-Motion, Glückgesellschaften, Slow-Food usw. Sie all propagieren das Langsamsein oder gar Nichtstun – wobei Nichtstun nicht gleichzusetzen ist mit nichts tun, sondern mit Spazierengehen, Musikhören, aus dem Fenster starren, im Gras liegen, eine Hummel beim Herumschwirren beobachten. Vordergründig sinnlose Tätigkeiten, die einen aber innerlich locker machen, wenn man es erst mal geschafft hat, „Sinn“ anders zu definieren als wir es gemeinhin tun. In unseren westlichen Industrienationen meine ich. Die Asiaten haben da noch mal ganz andere Vorstellungen.

Es geht also darum, die Dinge zu tun, die man gerne tut – egal, was es ist. Ob man sich seine Träume verwirklicht, bevor es fast zu spät ist, ob man mal drei Tage lang nur in der Sonne liegt und Wein trinkt, weil man sich dabei einfach super fühlt, ob man ein Wochenende mit Freunden verbringt und die ganze Zeit nur albernes Zeug redet – alles ist besser als Warten.

Denn wie sagt man so schön:

Das Leben ist das, was passiert, während du darauf wartest, dass etwas passiert.

Ganz meine Meinung!

In diesem Sinne — bis bald!
Ivan

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